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[Rezension] Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess – Anna Woltz

Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess* | Autor: Anna Woltz | Seiten: 176 | Einband: Hardcover | Erschienen am: 28.05.2015 | ISBN: 978-3-551-55099-6 | Preis (D): 10,99€ | Verlag: Carlsen

INHALT:

Gleich am ersten Tag in den Ferien bricht sich Samuels Bruder den Fuß. Na, das kann ja ein schöner Urlaub werden.
Aber beim Dorfarzt auf Texel lernt Samuel die Tochter der Sprechstundenhilfe kennen, Tess. Sie hat sandfarbene Haare und fragt ihn, ob er Trompete spielen kann oder schon mal einen Schnitzkurs gemacht hat. Nein, das kann er nicht, aber trotzdem freunden sich die beiden an. Und Samuel hilft Tess bei ihrem verrückten Plan, ihren Vater kennen zu lernen, von dem sie bisher nicht mehr als den Namen weiß. Sie hat ihn zusammen mit seiner Freundin Elise für eine Woche in ihr Ferienhaus eingeladen und lauter verrückte Sachen für ihn organisiert. Natürlich ohne ihm zu verraten, dass sie seine Tochter ist. Und auch ihre Mutter hat sie nicht eingeweiht. Tess will erst einmal herausfinden, ob sie ihn überhaupt als Vater will.
Der Plan geht gründlich schief und am Ende fliegt alles auf, aber eines ist klar: Tess möchte ihren Vater haben und ihr Vater möchte Tess haben.
Quelle: Carlsen**

COVER:

Das Cover ist in blau gehalten und mit vielen wichtigen Symbolen und Elementen verziert, die in der Geschichte eine große Rolle spielen.
Ich finde es schön, dass das Cover farblich recht neutral gehalten wurde und so sowohl Jungen, als auch Mädchen ansprechen dürfte.

MEINE MEINUNG:

Samuel und seine Familie machen Ferien auf Texel. Und gleich am ersten Tag bricht sich sein Bruder Jorre den Fuß. Der Urlaub scheint also den Bach hinunter zu gehen, bis Samuel beim Arzt die ein Jahr ältere Tess trifft und sich mit ihr anfreundet.
Und Tess hat ein Geheimnis. Sie möchte ihren Vater kennenlernen und hat ihn deshalb, samt Freundin Elise, für eine Woche auf die Insel eingeladen. Eingeweiht sind nur Samuel und Tess selbst. Denn Tess weiß noch gar nicht, ob sie überhaupt einen Vater haben möchte.
Tess ist etwas seltsam. Doch das macht ihr gar nichts aus. Und auch Samuel mag es, dass Tess seltsam ist. Das liegt vielleicht aber auch daran, dass er mit seinen 10 Jahren noch nicht so recht weiß, wohin er mit sich selbst soll. So übt er zum Beispiel das Alleinsein, grübelt über den Tod nach und beschäftigt sich mit seinem persönlichen Stellenwert innerhalb seiner Familie.
Ich fand, dass Samuel sehr reif für sein Alter dargestellt wurde. Zwar waren die Gedanken über Tod, Familie, Freunde und das Alleinsen sehr realistisch, sein Verhalten dafür aber nicht immer. So ist Samuel oft den ganzen Tag alleine mit dem Rad auf einer ihm unbekannten Insel unterwegs, ohne das seine Eltern etwas davon wissen. Natürlich im Auftrage von Tess’ Geheimnis.
Ich habe jetzt zwar keinen direkt Vergleich, aber ich persönlich fand es nicht unbedingt dem Alter entsprechend, einen 10 jährigen alleine und ohne Wissen der Eltern solche Dinge durchleben zu lassen.
Zusätzlich empfand ich die Fragen, die Samuel stellt, ziemlich erstaunlich. In seinem Kopf scheint es ordentlich zu arbeiten. Nicht ohne Grund nennt ihn seine Familie nur den Professor, was Samuel aber gar nicht leiden kann. Während sein Vater und sein Bruder für Samuels Fragen und Gedankengänge leider wenig Verständnis haben, fand ich persönlich, dass Samuel entweder als leicht altklug oder aber als gedanklich zu weit entwickelt für sein Verhalten dargestellt wurde.
Im Gegensatz zu Samuel wirkt die 11 jährige Tess sehr dominant. Sie weint nie und alles läuft immer nach ihrem Plan. Entschuldigen muss man sich nie. Das hat ihre Mama ihr beigebracht.
Tess mit den Pünktchenaugen ist schon etwas speziell und sagt auch so manches Mal Sachen, die andere vielleicht sogar kränken oder verletzen. Und obwohl Tess etwas anders ist, mochte ich sie ziemlich gerne.
Ganz besonders die Kombination aus Tess und Samuel war sehr interessant, denn die beiden ergänzen sich wunderbar und fördern, wenn auch nur unterbewusst, den jeweils anderen.
Nichtsdestotrotz fand ich das Buch unterhaltsam und erstaunlich tiefgründig. Ich würde aber schon sagen, dass die Tiefgründigkeit im Vordergrund steht und das Buch sich eher mit den Kernthematiken beschäftigt, als das es auf witzige Weise unterhält.
So rückt der Handlungsstrang um Tess und ihren Vater stellenweise etwas in den Hintergrund um für Samuels “wilde” Gedanken Platz zu machen.
Die Geschichte lässt sich aber zu jeder Zeit gut verfolgen. Die Schreibstil ist einfach gehalten und die Kapitel sind recht kurz gestaltet und zahlreich illustriert worden, was mir gut gefallen hat.
Ingesamt hat sich das Buch eine gute Bewertung verdient, obwohl ich ehrlich gesagt mit einer unbefangeneren Geschichte gerechnet hätte.
Da das Buch Themen wie den Tod, Identitätsfindung, Stellenwert in der Familie, das Alleinsein, Ehrlichkeit und Zusammenhalt bespricht, könnte es eventuell nötig sein, das Buch, gerade mit jüngeren Kindern, zusammen zu lesen oder im Nachhinein darüber zu sprechen.
Als älterer Leser habe ich mich allerdings nicht gelangweilt oder unterfordert gefühlt und kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der gerne ein unterhaltsames Kinderbuch mit Tiefgang lesen möchte.

BEWERTUNG:

Viel tiefgründiger als erwartet, habe ich mit Samuel und Tess eine wunderbar seltsame Woche auf Texel verbracht.
Unterhaltsam und mit viel Feingefühl behandelt das Buch sehr wichtige Themen und sticht damit aus der Reihe der Kinderbücher heraus.

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